Behindertenkletterwand im Plauenschen Grund

Update 04.06.2021

Ende Mai 2021 hat sich das Umweltamt Dresden per E-Mail an die Betreiber der Website thecrag.com gewandt. Unter Androhung weiterer Maßnahmen wurden die Betreiber der Homepage aufgefordert, die bekletterten Felsen im Plauenschen Grund bei der Auflistung bei thecrag.com als naturschutzrechtlich gesperrt auszuweisen bzw. zu löschen. Dies steht im Widerspruch zur schriftlichen Mitteilung des Büros der Dresdner Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen vom März 2021, wobei dem DAV-Landesverband Sachsen ein ergebnisoffenes Verfahren für die Zulassung der bekletterten Felsen im Plauenschen Grund zugesichert wird. Diese Aussage wurde bereits vorher auch von der Landesdirektion Sachsen mitgeteilt.

Der DAV-Landesverband Sachsen bemüht sich mittlerweile anderthalb Jahren, gemeinsam mit dem Umweltamt Dresden eine Kletterkonzeption für den Plauenschen Grund zu erstellen und die naturschutzrechtliche Zulassung des Klettersports an einzelnen Felsen zu realisieren. Leider werden diese Bemühungen von der zuständigen Sachgebietsleiterin nach Kräften behindert, wie der aktuelle Vorfall mit der versuchten Löschung der bekletterten Felsen im Internet während eines laufenden Antragsverfahrens abermals zeigt. Wir haben die Betreiber der Website thecrag.com gebeten, der Aufforderung des Umweltamtes zur Löschung der Felsen bzw. der Markierung als gesperrte Felsen nicht nachzukommen, da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist. Die Ergebnisse einer gemeinsam erarbeiteten Kletterkonzeption, deren Ziel es ist naturschutzfachlich sensible Felsbereiche im Plauenschen Grund zu schützen, sollten in Zukunft unbedingt veröffentlicht werden. Ein Vorpreschen des Umweltamtes ohne Absprache, wie aktuell geschehen, ist dem weiteren Abstimmungsprozess jedoch wenig förderlich.   

Update 25.04.2021

Leider hat die Stadt Dresden im Plauenschen Grund vollendete Tatsachen geschaffen und die Behindertenkletterwand am 22. und 23. April 2021 aus Verkehrssicherungsgründen komplett zurückbauen lassen - ohne vorher Kontakt zu den Initiatoren der Petition oder zum DAV aufzunehmen. Dabei wurden - während des aktuell noch laufenden Petitionsverfahrens, an dem sich über 1600 Menschen beteiligt hatten - im Auftrag der Stadt Dresden sämtliche künstlichen Klettergriffe im linken Teil der sog. Prothesenwand entfernt und die Löcher der Befestigungen für die Griffe mit Kleber verschlossen. Weiterhin wurde im Bereich der Behindertenkletterwand auch jegliches Sicherungsmaterial entfernt. Was die Stadt Dresden dazu bewogen hat, gerade in dem Bereich der Prothesenwand, für den vom Naturschutzgutachter explizit eine Empfehlung für die Freigabe für das Klettern ausgesprochen wurde, normgerechte Sicherunghaken abzuflexen, ist nicht nachvollziehbar.

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Abgeflexter Sicherungsring, Loch eines entfernten Griffes und Verschließen der Löcher an der zurückgebauten Behindertenkletterwand. (Fotos: DAV-LV Sachsen)

Der DAV hatte im Dezember 2020 der Stadt Dresden angeboten die Kunstgriffe vorübergehend zu demontieren, bis eine Lösung zur Frage der naturschutzrechtlichen Klettergenehmigung gefunden ist. Ziel dieses Angebots war, dass die Löcher für die Befestigung der Griffe nicht wie aktuell geschehen verschlossen werden um dann ein halbes Jahr später im Rahmen der Reinstallation wieder aufgebohrt zu werden bzw. im Fels daneben neue Löcher bohren zu müssen. Dieses Angebot hatte die Stadt Dresden leider abgelehnt. Sowohl aus naturschutzfachlicher wie auch aus kommunikativer Sicht hat die Stadt Dresden im Zusammenhang mit dem Genehmigungsprozess zum Klettern im Plauenschen Grund, der sich bereits seit mehr als einem Jahr hinzieht, jetzt ein weiteres Mal fragwürdige Entscheidungen getroffen. Dass eine Behörde ohne Rücksprache mit den Bergsportverbänden Sicherungsmittel an einem Kletterfelsen (für den ein Antragsverfahren in Verhandlung ist) entfernen lässt, ist leider ein negatives Kapitel, dass es bisher in Sachsen so noch nicht gab.

 

Petition für Erhalt der Behindertenkletterwand in Dresden

Im Plauenschen Grund am Stadtrand von Dresden gibt es an der sog. Prothesenwand seit vielen Jahre eine kleine Behindertenkletterwand. Diese wurde auf private Initiative von Jost Hartmann und Beate Lange im Einvernehmen mit dem damaligen Flächeneigentümer eingerichtet. Die speziell mit künstlichen Griffen ausgestattete Behindertenkletterwand wurde in der Vergangenheit rege genutzt und es fanden auch Kletterkurse für Menschen mit Beeinträchtigungen dort statt. 

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Beate Lange und Jost Hartmann an der Behindertenkletterwand im Plauenschen Grund. (Fotos: Thomas Türpe)

Vor zwei Jahren hatte die Stadt Dresden das öffentliche Gelände mit dem Felsen gekauft und möchte das Klettern an der gesamten Prothesenwand nun aus naturschutzrechtlichen Gründen unterbinden und die Behindertenkletterwand zurückbauen. Der DAV-Landesverband bemüht sich seit ca. einem Jahr bisher leider vergeblich um eine Lösung für die Klettergenehmigungen im Plauenschen Grund, da die Stadt Dresden bisher nicht gesprächsbereit war. Aus Sicht des DAV-Landesverbandes sollte gemeinsam mit der Stadt Dresden eine Gesamtlösung für das Klettern im Plauenschen Grund in Form einer Kletterkonzeption gefunden werden, bei der zukünftig sensible Felsbereiche geschützt werden, das Klettern an einzelnen Felsen - wie z.B. an der Prothesenwand - genehmigt wird und die Behindertenkletterwand erhalten werden kann. 

Beate Lange hatte im März 2021 eine e-Petition gestartet, um die Behindertenkletterwand zu erhalten. Innerhalb der kurzen Mitzeichnungsfrist von 25 Tagen haben über 1600 Menschen die an die Stadt Dresden gerichtete Petition unterzeichnet, was das große öffentliche Interesse an der Thematik bestätigt. Auch der MDR-Sachsenspiegel berichtete kürzlich über die Prothesenwand und die Petition.

Beitrag des MDR-Sachsenspiegel vom 09.04.2021

Für Rückfragen zu diesem Thema steht beim DAV-Landesverband Sachsen Lutz Zybell (lz@alpenverein-sachsen.de) als Ansprechpartner zur Verfügung.