Aktuelles zur Rettung des Holzberges

Sperrung des Holzberges für das Klettern, neue Petition und Spendenaktion zur Rettung des Holzberges

(gemeinsame Pressemitteilung der DAV-Sektion Leipzig und des DAV-Landesverbandes Sachsen vom 26.04.2022)

Nach hoffnungsvollen Entwicklungen im vergangenen Jahr – als das Umweltministerium des Freistaates Sachsen der DAV-Sektion Leipzig Fördermittel in Höhe von ca. 500.000 € u.a. zum Kauf der Holzbergregion bewilligt hatte und mit Unterstützung der Sächsischen Staatsregierung sogar ein Ersatzstandort gefunden werden konnte – zeigt sich aktuell leider ein sehr düsteres Bild am Holzberg. Die Firma KAFRIL erkennt die Ersatzstandortlösung im Tagebau Schleenhain nicht an, sieht diesen als „Zusatzstandort“ und hat ihre Pläne zur Verfüllung des Holzberges mit Erdaushub von Baustellen jetzt wieder reaktiviert. Dadurch würden die Biotope in einem der artenreichsten Lebensräume Sachsens unwiederbringlich zerstört. In einer E-Mail vom 08.04.2022 erklärt die Firma KAFRIL alle Bemühungen um einen Ersatzstandort für gescheitert und teilt mit: „Wir haben nun die Planungen zur Schaffung der Grundlagen für die Aufnahme der Verfüllungstätigkeit [im Holzberg] aufgenommen.“

Gleichzeitig weist die Firma KAFRIL darauf hin, dass der Nutzungsvertrag für den Holzberg Ende April endet und man ein weiteres Betreten des Geländes durch Kletterer untersagt. Konkret bedeutet das, dass die Nutzung eines der beliebtesten Klettergebiete Mitteldeutschlands mit seinen über 120 Klet-terrouten ab dem 27.04.22 zunächst nicht mehr möglich sein wird. Hintergrund ist das Kündigungs-schreiben von KAFRIL bzgl. der Nutzungsvereinbarung fürs Klettern im Holzberg, was am 27.04.2020 bei der DAV-Sektion Leipzig einging. Auch der gerichtliche Vergleich vom Juni 2020 führt den 26.04.2022 als Ende der Nutzungsvereinbarung an.

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Mit einer Plakat-Aktion protestierte das Aktionsbündnis zur Holzberg-Rettung am 21.04.22 im Holzberg gegen dessen Schließung für das Klettern und gegen die Zerstörung der Biotope durch die geplante Verfüllung. Im Sektor Valentinstag wurde ein großes Transparent befestigt, welches mittlerweile von der Firma KAFRIL unter Polizeischutz wieder entfernt wurde.

Gleichzeitig mit der Plakat-Aktion startete letzte Woche die neue Online-Petition „#Holzberg Biotop-Rettung jetzt!“ von Uta Strenger zur Erhaltung des Holzberges. In dieser Petition, die sich an die Sächsische Staatsregierung – namentlich an Ministerpräsident Michael Kretzschmer – richtet, wird die zeitnahe Umsetzung folgender Punkte gefordert:

  1. Unterschutzstellung der Holzbergregion als FFH-Gebiet und Erhalt der Biotope des Holzbergs
  2. Dauerhafte Sicherung des freien Zugangs zur Holzbergregion inkl. Nutzung der Kletterrouten
  3. Umsetzung des Ersatzstandortes im Tagebau Schleenhain als Alternative für den Holzberg
  4. Abweisung aller bergbau- und naturschutzrechtlichen Anträge zur Verfüllung des Holzberges
  5. Sofortige Entlassung des Holzberges aus dem Bergrecht im Istzustand

Wir bitten alle Naturfreunde, Kletterer und (Berg-)Sportler die Petition zu unterzeichnen und damit die Rettung des Holzberges als Natur- und Kletterparadies zu unterstützen!!! Ganz wichtig ist auch, dass Ihr die Info zur Petition an andere Menschen weiterleitet und diese um ihre Unterstützung bittet. Also bitte teilen, liken, verlinken, in den Status setzen und was Euch sonst noch einfällt…

https://www.openpetition.de/petition/online/holzberg-biotop-rettung-jetzt

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Neben der Petition haben wir noch ein anderes Anliegen: unsere Spendenaktion. Dank der sehr großen Spendenbereitschaft in der Vergangenheit war es möglich, ein umfassendes Rechtsgutachten zur bergrechtlichen Genehmigungslage im Holzberg in Auftrag zu geben. Durch dieses Gutachten musste das Sächsische Oberbergamt einräumen, dass die aktuelle Genehmigungslage eine Verfüllung des Holzberges durch die Firma KAFRIL nicht hergibt. Weitere aufwändige rechtliche Schritte werden jedoch notwendig sein, um die verhängnisvollen Pläne von KAFRIL zur Verfüllung des Holzberges endgültig zu vereiteln bzw. gegen mögliche Entscheidungen des Landkreises Leipzig bzw. des Sächsischen Oberbergamtes rechtlich vorzugehen. Daher bitten wir Euch um Spenden auf das Konto der BUND-Ortsgruppe Böhlitz unter folgendem Link: https://www.bund-sachsen.de/spenden-mitglied-werden/spenden/spendenformular-holzberg/

Wir als DAV werden uns gemeinsam mit unseren Partnern – der IG Klettern und Naturfreunde Mittelsachsen, der Bürgerinitiative Böhlitz, der BUND-Ortsgruppe Böhlitz, den Holzbergfreunden und Uta Strenger – weiterhin nach Kräften dafür einsetzen, dass der Holzberg in seiner jetzigen Form erhalten bleibt und zukünftig auch wieder beklettert werden kann. Wir halten euch zur aktuellen Entwicklung auf dem Laufenden. Weitere Informationen zur Holzberg-Thematik sind u.a. auf den Internetseiten des MDR zu finden. 

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Seit dem 26.09.2020 kann am Holzberg wieder geklettert werden. Hier die gemeinsame Pressemitteilung des DAV-Landesverbandes Sachsen und der DAV-Sektion Leipzig vom 24.09.2020:

Landkreis erteilt Klettergenehmigung für den Holzberg

Bereits im Februar hatte der Landesverband Sachsen des Deutschen Alpenvereins (DAV) für die im Landschaftsschutzgebiet Hohburger Berge gelegenen Klettergebiete Holzberg, Gaudlitzberg und Zinkenberg einen Antrag auf Nutzung für den naturverträglichen Klettersport gestellt. Im August 2020 erfolgte bereits die Zulassung für den Gaudlitzberg. Die Genehmigungen für den Holzberg und den Zinkenberg wurden jedoch mit Hinweis auf eine ablehnende Stellungnahme des Sächsischen Oberbergamtes nicht erteilt.

Nunmehr waren intensive Nachverhandlungen erfolgreich, sodass die Genehmigung auch für den Holzberg erteilt werden konnte. Der entsprechende Bescheid wurde heute vom Landkreis Leipzig einem Vertreter des DAV übergeben. Im Gegensatz zum Zinkenberg war für den Holzberg letztlich ausschlaggebend, dass es sich beim Holzberg nicht, wie ursprünglich von den Behörden unterstellt, um einen aktiven Bergbaubetrieb handelt, sondern dass dort der Rohstoffabbau schon jahrzehntelang eingestellt ist.

In den letzten 20 Jahren hat sich parallel zum ausgeübten Klettersport im Holzberg ein Naturraum herausgebildet, der über eine Vielzahl von nach deutschem und europäischem Recht streng geschützten Arten verfügt. Das sich diese Artenvielfalt neben der Nutzung als Klettergebiet bilden konnte, macht den Holzberg zu einem Präzedenzfall dafür, dass es sich beim Klettersport um eine besonders naturverträgliche und nachhaltige Sportart handelt. Dass die Arten vom Klettersport nicht beeinträchtigt werden, hatte zuletzt auch ein wissenschaftliches Gutachten unterstrichen. Daher bestanden auch aus naturschutzfachlicher Sicht keine Gründe die beantragte Klettergenehmigung nicht zu erteilen.

Zuletzt stand das Klettern im Holzberg jedoch auf der Kippe, weil der neue Eigentümer – die Unternehmensgruppe KAFRIL aus Großzschepa – die den Holzberg im Jahr 2017 erworben hatte, einen bestehenden Nutzungsvertrag im Frühjahr 2020 außerordentlich kündigte. Hintergrund waren divergierende Ansichten zur umweltrechtlichen Schutzbedürftigkeit des Gebietes, die im Rahmen der geplanten Teilverfüllung des Holzberges durch den Eigentümer an den Tag traten. Letztendlich konnte jedoch im Rahmen eines gerichtlichen Vergleiches im Juni 2020 die außerordentliche Kündigung aufgehoben und die Zustimmung des Eigentümers zur Klettergenehmigung erlangt werden.

„Dass nunmehr mit der Erteilung der Klettererlaubnis die letzte Voraussetzung zur Umsetzung des gerichtlichen Vergleiches vorliegt und ab sofort der Holzberg als größtes und bedeutendstes Klettergebiet in Nordsachsen unseren Mitgliedern und deren Gästen wieder zugänglich gemacht werden konnte, stimmt uns sehr froh“ so Lutz Zybell vom DAV-Landesverband Sachsen. Toni Werner, der 1. Vorsitzende der hiesigen DAV-Sektion Leipzig, ergänzt dazu: „Wir hoffen zudem, dass auch über die immer noch im Raum stehende ordentliche Kündigung mit dem Eigentümer eine einvernehmliche Lösung erzielt werden kann. Alles andere wäre für die Region Hohburger Berge eine Zumutung. Die hieraus resultierenden Kapazitätsprobleme in den weiteren Klettergebieten haben wir in der Zeit, in der der Holzberg gesperrt war, leider schon sehen müssen.“ so Werner weiter. Der Deutsche Alpenverein setzt sich weiterhin dafür ein, den sanften, nachhaltigen und naturverträglichen Klettersport in Zukunft in den Hohburger Bergen und insbesondere auch im Holzberg ausüben zu können.

Zu beachten ist, dass der Holzberg entsprechend des Nutzungsvertrages mit KAFRIL lediglich von Mitgliedern des Deutschen Alpenvereins und der IG Klettern zum Klettern betreten werden darf.

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Weitere Infos zur Wiedereröffnung des Holzberges für den Klettersport findet ihr auch auf der Homepage des DAV-Bundesverbandes.

Unabhängig von der Klettergenehmigung ist das Klettern im Holzberg bzw. der Erhalt der dortigen Biotope langfristig leider noch nicht gesichert. Daher bitten wir weiterhin gemeinsam mit den mitteldeutschen Sektionen um Spenden für den Erhalt des Kletter- und Naturparadieses Holzberg:

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