Lehrgang 2 - Fokus Schlingen und Stürzen

Am schönen, spätsommerlichen Freitagabend des 24. Septembers 2021 in den Affensteinen - es war bereits länger finster - konnte man das Licht der Stirnlampen unserer kleinen Felskader-Karawane beobachten, die sich, offensichtlich auf der Suche nach dem richtigen Weg, durch den Wald schlängelte. Wir waren voll beladen mit Essen, Wasser, Schlafsäcken und natürlich einer Menge Klettermaterial. Unser Ziel - die Boofe am Hentzschelturm - haben wir dann doch noch gefunden, dabei ein paar andere Boofer:innen aufgeschreckt, den verfügbaren Platz auf die benötigten Isomatten aufgeteilt und einen kleinen Mitternachtssnack vorbereitet. Thema des Lehrgangs: Schlingen legen. Das wurde auch gleich geübt, als es darum ging, alle Lebensmittel an Schlingen bilchsicher in der Boofe aufzuhängen.  
Da man im Sandstein doch eher vermeidet, in selbstgebastelte Schlingenkonstrukte zu stürzen, sollte der Samstag dazu dienen, genau das in einem sicheren Rahmen auszuprobieren. Deshalb gab es nach dem Frühstück in der Boofe einen kurzen Theorieteil zu Schlingenmaterial und -dicke, auftretenden Sturzkräften, Reißfestigkeiten, Tricks und Kniffen beim Schlingenlegen und allem, was sonst noch relevant für die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Schlinge am Fels bleibt. Erste Heiterkeit, als schließlich eine Wette darüber abgeschlossen wurde (Kai gegen die Trainer:innen), ob eine 3-mm-Dynemaschlinge einen Vorstiegssturz halten kann.  

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Schlingen legen mit anschließendem Belastungstest (Fotos: Ruwe Busch).  


Da jede Theorie nur so gut wie die zugehörige Praxis ist, wurde dann die nah gelegene Wolfsfalle belagert, wo wir im Verlauf des Tages von der Westbegrenzung bis zur Pilsverschneidung eine Vielzahl der Wege geklettert sind. Das Schlingenlegen wurde in den Wegen mit nur begrenzter Ringanzahl geübt - im Champagnerriss, Talweg und Schallplatte. Dabei wurde im Vorstieg geklettert. Zeitgleich diente für den Fall des Nichthaltens der Schlinge ein zusätzliches Seil von oben als lockere Hintersicherung. 
Oberste Maxime war natürlich, möglichst keine Felsausbrüche zu verursachen und keine neuen Dauerschlingen zu hinterlassen, was dank ausgiebiger Spatelarbeit an diversen festgestürzten Schlingen am Ende des Tages auch gut funktioniert hat. Allgemeine Erkenntnis: So manches, von dem man nicht gedacht hat, dass es hält, hält doch, aber vieles von dem man dachte, dass es hält, hält doch nicht. Da die Sonne schneller unterging, als wir nach oben klettern konnten, wurden kurzerhand die Stirnlampen rausgeholt und die letzten Begehungen von Champagnerriss (VIIc) und Landkarte (VIIIb) im Dunkeln beendet. 

Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen der Praxis, mit dem Ziel, das Gelernte anzuwenden und einige moderne bis klassische Wege in den Affensteinen zu klettern. Dort ist auch Paul Saß als erfahrener Sandsteinkletterer zu uns gestoßen und konnte uns mit zahlreichen Empfehlungen und Tipps bereichern und einige anspruchsvolle klassische Wege vorsteigen, wie den Einstiegsriss des Brosinnadel-Talwegs oder den unteren Teil des Metermaßes am Rokokoturm.  

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Gemeinsames Klettern am Sonntag an der Wilden Zinne, am Höllentor, dem Rokokoturm und weiteren Gipfeln. (Fotos: Ruwe Busch)


Mit voller Motivation wurden die großen Gipfel bestiegen und dabei unter anderem der „Heiße Draht ins Jenseits“ (RP VIIIc, Svenja und Johanna) sowie „Vaya con Dios“ (IXb, Ferdinand und Kai) am Höllentor, der „Aehligweg“ (VIIb, Ronja, Lara, Tarja) an der Wilden Zinne, „Schmied und Geselle“ (VIIb, Johanna und Tarja) am Amboss sowie die „Westwand“ (IXb, Svante) und der „Siebziger Weg“ (IXa, Kai und Ferdinand) am Rokokoturm und einige andere Linien geklettert. 
Und wie immer viel zu früh war der Tag auch schon rum und wir geschafft und zufrieden auf dem Rückweg - nach einem ausgefüllten Wochenende zwischen den Felsen der Sächsischen Schweiz. 
Ach so - Kai hat seine Wette übrigens gewonnen, die 3-mm-Dynema hat tatsächlich gehalten.

  
In diesem Sinne felsige Grüße und bis zum nächsten Treffen!

Text: Christoph Doktor