Lehrgang 9 - Roter Bruch

Felskader-Modul 9 (27.08-28.08.2022)
Onsight-Klettern im Nichtsandstein, oder: Unterwegs im Madagaskar Mitteldeutschlands

 
Nachdem wir in Franken bereits Projektieren und mit Robert Leistner das Schwerklettern im Sandstein geübt hatten, sollte unser neuntes Treffen sich mit der Kunst des Onsight-Kletterns beschäftigen. Ort dafür war, sehr zu meiner Freude, das splitterige, rote Vulkangestein mit seiner Kletterei für Liebhaber, in dem ich die Anfänge meiner Kletterkarriere verbracht habe. Im Porphyr lernt man vor allem 1-A Leistenpower, Fingerklemmer, Tritttechnik auf Kratzerleisten und Schmerztoleranz … ich weiß, wovon ich rede. Eigentlich wollten wir als Felskader ja ins Mekka des Mitteldeutschen Sportkletterns (also nach Löbejün) fahren. Dann kamen die Gewitter, über die wir gar nicht so böse sein konnten, hat der Regen doch die akute Waldbrandgefahr in unserer geliebten Sächsischen Schweiz gesenkt. Das Ergebnis war dann folgender Kompromiss:

  
Wir haben den Samstag nach viel kurzfristiger Planung im XXL in Dresden (mit für die meisten vielen unbekannten Routen) verbracht. Auch wenn Plastik und Fels, vor allem in Bezug auf Onsight-Klettern, zwei sehr verschiedene Welten sind, konnten wir doch nochmal die grundlegenden Taktiken durchgehen. Eine Videoanalyse von unseren Versuchen in Routen an der eigenen Schwierigkeitsgrenze hat persönliche Stärken und Schwächen offengelegt, die uns vorher vielleicht noch nicht so bewusst waren.  


Die verdiente Kaffeepause im Nieselregen haben wir dann genutzt, um zukünftige Pläne für den Felskader zu schmieden und vor allem auch, um unseren nächsten Lehrgang im Oktober vorzubereiten.

 
Das Felskader-Basecamp wurde schließlich bei Johanna und Rosa in der WG aufgeschlagen, wo wir den Abend über einer Runde „Zug um Zug“ verbracht haben. Ob die Gesellschaftsspielentscheidung etwas mit dem Ablauf des 9-Euro-Tickets zu tun gehabt hat, ist nicht überliefert.


Die Zielauswahl für den Sonntag war dann erstaunlich kniffelig. Löbejün ist aus Weggründen ausgeschieden und die Golzernmühle (quasi mein Wohnzimmer ;) ) aufgrund von Bedenken wegen der Feuchtigkeit. Also sind wir nach Mittweida zur 30 Meter hohen Hauptwand des Roten Bruchs gefahren und haben dort die vier besten Routen belagert. Das wären: 

 
Desert Gold 8+  
Bekommt drei Sterne vom Felskader, weil nicht das Wasser aus Leisten gepresst werden muss, sondern ein Mix aus technischen und kräftigen Zügen in der Hangel-Verschneidung gefordert wird. Am Ende haben wir diese Tour sogar allesamt Rotpunkt geklettert.  

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Johanna, Svante und Kai in "Desert Gold"


Desert Storm 8+ 
Eine der längsten Routen in Mittweida. Da die Leisten in der Mitte der Route mit Sika (dem Sandsteinverfestiger des Porphyrs) verstärkt wurden, lässt sich die Route super klettern, es müssen aber trotzdem ein oder zwei üble Kratzer festgehalten werden.  

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Svenja in der langen Linie von "Desert Storm"


Kontaktverbot 9 
Geht nur durch die halbe Wand, lässt sich aber bis zum Boulderproblem knapp unter dem Umlenker gut klettern. In der Crux werden die oben beschriebenen vier Komponenten des Porphyrkletterns gleichzeitig benötigt: Leistenpower, Fingerklemmer, gut gespannte Schuhe und Schmerztoleranz. Das ist Svenja und Kai auch im Rotpunkt gelungen.  

 
DJ Clue 9  
Da Jannik der Erstbegeher dieser kurzen aber heftigen Route ist, war es quasi Ehrensache mal einzusteigen. Nach Ausbruch einer Leiste ist die Tour wesentlich härter geworden und bietet in der Mitte ein zusammenhängendes 12-Züge-Boulderproblem. Kais finaler Rotpunktversuch wurde leider durch Ausbruch des wichtigsten Tritts gestoppt.  


Als wir zwischendurch die Energiereserven am Wandfuß wieder aufgefüllt haben, hatte die Kombination aus 100% Luftfeuchtigkeit, großen Wänden und übermäßiger Pflanzenwucherung fast was Tropisches. Wir waren also zwar nicht im Mekka, dafür aber im Madagaskar Mitteldeutschlands. 


In diesem Sinne: Berg Heil und bis zum nächsten Treffen!  

 

Text: Christoph Doktor

Bilder: Marie Arlt

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