Lehrgang 4 - Klettergebietstour

Team Klettergebietstour oder: dezimiert, doch motiviert (12./13.03.2022) 


05:15 Uhr – Berghütte Königstein. Der Wecker klingelt. Wir schälen uns aus unseren Schlafsäcken und wanken runter zur Küche, um einen Kaffee aufzusetzen und ein kleines Frühstück runterzubringen.  
Unser Ziel an diesem sonnigen Samstag – der Sächsische Triathlon (Klettern, Wandern, Fahrradfahren) oder anders: eine Klettergebietstour durch die Sächsischen Schweiz (also jeweils einen Gipfel in jedem der 13 Teilgebiete zu besteigen).  
Bereits in den Wochen davor hatten wir Routen geplant, Gipfel und Wege rausgesucht und uns überlegt, welche Taktik am Fels die schnellste sein würde, welche Strecken gewandert werden müssen und welche mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können und natürlich, was wir an Gepäck würden mitnehmen müssen. Dass Svante bereits alle Gipfel persönlich kennt, war dabei natürlich ein kleiner Vorteil.
Um das Ganze, an so einem doch noch relativ kurzen Märztag, realistisch zu halten, haben wir die Runde in zwei Teile geteilt, sodass die Jungs die Runde von den Schrammsteinen bis Hinterhermsdorf und die Mädels die restlichen Gebiete zwischen dem Erzgebirgsgrenzgebiet und Wehlen abklappern würden. Um den Anspruch aber trotzdem oben zu halten, hatten wir uns vorgenommen, nur Wege ab VIIa zu klettern.  
Womit wir allerdings nicht geplant hatten, war die nationale Pandemielage, die dafür gesorgt hat, dass von 10 Athlet:innen nur 5 tatsächlich am Start waren - was die Motivation aber schlussendlich nicht gesenkt hat. 
Aber genug der Vorrede …  


06.27 Uhr – Berghütte Königstein. Abfahrt an der Hütte. Alle schwingen sich aufs Fahrrad und die Teams steuern jeweils ihren ersten Gipfel an.  

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[Fotos: Felix Getzlaff, Rosa Windelband] Materialauswahl am Vorabend - das Mädels-Team - der Kubus als ersten Gipfel des Mädels-Teams


6:58 Uhr – Leupoldishain, Gebiet der Steine. Gerade als die Sonne über den Bäumen hervorblickt, kommen wir vier Mädels in Leupoldishain an. Nach dem ersten Kraftakt, dem Hochradeln der steilen Straße von Königstein zu den Nikolsdorfer Wänden, erreichen wir unseren ersten Gipfel. Der Kubus bietet uns mit der Schartenwand eine kurze VIIa mit Schnee im Einstiegshenkel. Svenja und Rosa übernehmen je den ersten Vorstieg und um 7:50 Uhr kann dann endlich das erste Felskaderlogo ins Gipfelbuch gezeichnet werden. Die dicken Jacken werden gleich angelassen, als es zügig, gegen den starken Wind ankämpfend, weiter in Richtung Langhennersdorf geht. 


07:12 Uhr – Zahnsgrund, Schrammsteine. Wir fünf Jungs schrecken ein paar Camper auf dem Parkplatz auf, als wir am frühen Morgen die erste Steilstrecke bewältigen. Dann gehts direkt zum Zahnsgrundwächter, wo Kai den AW VIIa (o.U.) vorsteigt. Der Fels hat dabei noch Kühlschranktemperatur, weshalb wir wie die Pinguine an der Abseile stehen und uns darauf freuen, gleich wieder aus den klammen Kletterschuhen rauszukommen. Eine knappe halbe Stunde nach der Ankunft radeln wir fünf Jungs weiter Richtung Affensteine.  

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[Fotos: Felix Getzlaff, Svante Neumann] Die Räder werden abgestellt - der Zahnsgrundwächter als erster Gipfel des Jungs-Teams


08:00 Uhr – Lehne, Affensteine. Auch die Lorenzwand, Gipfel Nr. 2 für das Jungsteam, liegt noch im Schatten, zum Glück bleiben die Finger aber halbwegs warm, als wir die Reibungswände des Pfingstwegs (VIIa, Christoph) und des Cocktails (VIIa, Felix) nach oben turnen. Einzig unsere Seilplanung geht nicht ganz auf, da das doppelte 60m-Halbseil ein Stück zu kurz für den Weg ist. 45 min später wandern wir die Lehne hoch Richtung Schmilka.  


8:30 Uhr – Bahratal, Erzgebirgsgrenzgebiet. Wir lassen die Räder am Waldrand liegen und laufen zur Bahratalwand ins Tal runter. Auch dieser Gipfel liegt noch im Schatten und so steigen Lara und Rosa mit klammen Fingern in die SW-Wand bzw. den Mückenstich (beides VIIa) ein. Nach einem Gipfelselfie um 9:33 Uhr geht es zurück zu den Rädern. Die folgende Mountainbikepassage, der Schotterweg über ein ausgesetztes Feld und das Treten gegen den Sturm trotz abfallender Straßenneigung zehren an unseren Kräften. Dem starken Wind entkommen wir erst, als wir uns die Raublochstraße ins Bielatal runterrollen lassen. Es ist dann nicht mehr weit bis zum Vorderen Schroffen Stein, unserem dritten Gipfel. 

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[Fotos: Rosa Windelband, Kai Gilbrich] Bahratalwand als zweiten Gipfel des Mädels-Teams - folgende Radstrecke über ein Feld - Angriff auf die Rauschenspitze als dritten Gipfel des Jungs-Teams


09:08 Uhr – Oberer Terassenweg, Schmilka. Unser Gipfel Nr. 3, die Rauschenspitze, hat den Vorteil, dass der AW (VIIc o.U., Svante) relativ kurz ist und wir uns den Abstieg in den Schmilkaer Talkessel sparen können. Leider hat er den Nachteil, dass er extrem exponiert ist, sodass wir ordentlich mit Sturmböen zu kämpfen haben, die den kritischen Überfall nicht direkt einfacher machen. Mit der Aktion ist uns auch die Jahreserste sicher; um den sonst folgenden obligatorischen Reimprozess abzukürzen, vermerken wir nur kurz „Keine Zeit für Sprüche!“ unter unserem Felskader-Logo und seilen, bereits ordentlich durchgefrostet, ab. 

 
11:00 Uhr – Kleiner Zschand. Der Rückweg über die Lehne sowie die Umquerung der Affensteine auf dem Zeughausweg hat ordentlich Zeit gekostet. Der Kampf durch die toten Fichten hoch zur Wartburg auch. Dafür folgt mit den Ritterspielen (VIIa, Christoph) und dem Knappenweg (VIIa, Valentin) die schönsten Kletterwege des Tages. Wir genießen zum ersten Mal das Panorama windgeschützt und mit ordentlich Sonne, im Wissen, bereits die Hälfte des Tagesziels erreicht zu haben.  

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[Fotos: Svante Neumann, Felix Getzlaff] Weg auf die Wartburg als vierten Gipfel des Jungs-Teams - das Jungs-Team (+ Felix hinter der Kamera)


11:36 Uhr – Nach 15 Minuten Mittagspause in der Sonne kämpfen wir uns zu unseren Fahrrädern zurück und beschleunigen Richtung Zschandspitze. 


11:48 Uhr – Vorderer Schroffer Stein, Bielatal. Mit der direkten Westkante haben wir einen gut gesicherten Weg gewählt, der uns auf unseren ersten sonnigen Gipfel mit mehr Weitblick bringt. Aber viel Zeit zum Sonne genießen bleibt nicht, schließlich haben wir noch die zweite Hälfte unserer Runde vor uns. Und so lassen wir uns bald darauf nach Königstein zurückrollen. Super Timing – die Halbzeit liegt perfekt in der Mittagszeit und genau da kommen wir bei unserer Hütte vorbei. Hier können wir natürlich nicht darauf verzichten, schnell ein paar übrig gebliebene, warme Nudeln vom Vortag in uns hineinzuschaufeln. Gestärkt geht es dann ein Stück an der Elbe weiter. Zu unserer Überraschung ist der Wind hier deutlich schwächer und so kommen wir schnell nach Rathmannsdorf. 


12:05 Uhr – Wildensteiner Gebiet. An der Zschandspitze überraschen wir eine Seilschaft, die dort bereits in der „Kleinen Freude“ hängt. Also Planänderung. Svante steigt wie geplant den Urlaubsweg (VIIb) vor und Kai klettert parallel die „Große Freude“ (VIIIb, 5. Begehung), was sich als knusprige und flechtige Angelegenheit entpuppt. Es könnte seit langer Zeit das erste Mal gewesen sein, dass die Zschandspitze von drei Seiten gleichzeitig beklettert wurde.  


13:10 Uhr – Großer Zschand. Wir kämpfen uns mal wieder durch ein Fichten-Mikado zur Oktoberspitze, die nicht besonders hoch, nicht besonders schön und nicht besonders gut gesichert ist (und damit alle drei Kriterien einer Traumquacke erfüllt), dafür aber nah am Weg steht. Wir sind zügig über die Schartenwand (VIIb, Svante) auf dem Gipfel. Es ist unsere zweite Jahreserste heute, als Spruch dient uns der markige Satz von Valentin am Einstieg: „Braucht man dafür eigentlich Kletterschuhe?“.  


14:30 Uhr – Polenztal, Brandgebiet. Noch ein Stück das Polenztal hinter, dann erreichen wir den Polenztalwächter. Die "Geteilte Freude" (VIIIa) ist hier die Route unserer Wahl, weil schon der Name so passend für unsere Teamaktion an diesem Tag ist. Als Svenja alle drei weiteren Teammitglieder nachgeholt hat, ist es bereits 15:17 Uhr. Zeit für ein Gipfelfoto nehmen wir uns trotzdem. Der starke Wind lässt es uns eh nicht lange oben aushalten und so schnappen wir unsere Sachen und kämpfen uns den steilen Weg zur Ziegenrückenstraße hoch. 

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[Fotos: Svenja Thömel, Kai Gilbrich] Polenztalwächter als vierten Gipfel des Mädels-Teams - Aufstieg auf die Dorfbachwand als siebten Gipfel des Jungs-Teams


14:43 Uhr – Hinterhermsdorf. Nach leichten Orientierungsproblemen im hinteren Kirnitzschtal finden wir tatsächlich noch zur Dorfbachwand, unserem offiziell letzten Gipfel für heute. Dank inzwischen deutlich gestiegener Temperaturen klettern wir schnell die S-Kante (VIIa, Felix) und die Direkte SO-Wand (VIIa, Christoph). Kurze Feier auf dem Gipfel, dann seilen wir ab. 15:27 Uhr ist Abfahrt.  

 

15:55 Uhr – Gamrig, Rathener Gebiet. Am Gamrig treffen wir, erstmals an diesem Tag, auf andere kletternde Menschen. Wir müssen an der Gamrigscheibe deshalb auf den Weg am Rande (VIIc) ausweichen, Lara steigt diesen vorletzten Weg solide vor. Die zweite Seilschaft wählt den “Kürzesten Weg” (VIIa). Inzwischen sind die Temperaturen auch etwas angenehmer, sodass wir zum ersten Mal nicht mit Daunenjacke einsteigen müssen. So hatten wir uns das eigentlich den ganzen Tag vorgestellt. Immerhin haben wir jetzt sogar mal die Möglichkeit, dass jemand anderes das Gipfelfoto für uns schießt.   

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[Fotos: Rosa Windelband, Kai Gilbrich] Weg auf die Gamrigscheibe als sechsten Gipfel des Mädels-Teams - Abschlussradeln


16:12 Uhr – Bad Schandau. Wir sind ordentlich durchgepustet von der Kirnitzschtal-Abfahrt und stoppen kurz am Lidl, um einen Gipfelkuchen zu besorgen. Da die Mädels noch unterwegs sind, beschließen wir, sie am Gamrig einzuholen und gemeinsam den letzten Gipfel in Wehlen zu besteigen. 


16:41 Uhr – Gamrig, Rathener Gebiet.  Das Licht ist jetzt schon sehr soft, viel Zeit bis Sonnenuntergang bleibt nicht mehr. Hier, am Fuß des Gamrigs, treffen die beiden Felskaderteamhälften wieder zusammen. Kurzer Austausch, dann rollen wir durch Rathen den Elberadweg runter bis zum Aufstieg des Tümpelgrunds.  


17:32 Uhr – Tümpelgrund, Wehlen. Einstieg in den Seitenweg an der Erikascheibe. Als schließlich alle auf dem Gipfel versammelt sind, gibt es das letzte Gipfelfoto im letzten Sonnenlicht sowie den redlich verdienten Gipfelkuchen.  

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Der letzte und dreizehnte Gipfelbucheintrag der Team-Klettergebietstour und Gruppenfoto auf der Erikascheibe


18:30 Uhr. Die Stirnlampen werden angeschaltet und wir setzen in Wehlen mit der Fähre über, verpassen den Zug um 5 Minuten und radeln deshalb noch die Ehrenrunde bis zur Hütte in Königstein.  


20:30 Uhr. – Nach einem Kilo Reis mit viel Gemüse und einer Familientafel Olympia-Schokolade hauen sich alle recht früh in den Schlafsack. Bilanz des Tages: Wir haben 12 Stunden gebraucht, um in zwei Teams in 13 Gebieten 13 Gipfel über 20 Wege zu besteigen, und haben dabei ca. 110 Fahrradkilometer zurückgelegt.   


Sonntag  

Nach Frühstück und Hüttenputz können wir Frank Wehner bei uns begrüßen, der mit uns einen kleinen Workshop zum Thema Standplatzbau macht. Wir besprechen die Anwendungsfälle und Besonderheiten von Reihenschaltung und Standplatzkrake und diskutieren die Vor- und Nachteile der Körper-bzw Fixpunktsicherung am Standplatz. Im Anschluss lassen wir unser erstes Felskader-Treffen im Jahr 2022 am Pfaffenstein ausklingen, mit zwei schönen Begehungen auf die Königsspitze - Meisterröstung VIIIc / RP IXa (Kai, os) sowie Kalter Hund VIIIb (Svante, os)- sowie einiger weiterer Kletterei an der Sockelwand des Vierlings zusammen mit den Aussteigern.  

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[Fotos: Felix Getzlaff, Svenja Thömel] Kai in "Schwarzer Afghane" (Xa) am Vierling und Christoph in "Meisterröstung" an der Königsspitze
 
Nach diesem gelungenen Auftakt ins neue Jahr findet das nächste Treffen hoffentlich wieder in großer Runde statt. Bis dahin Berg Heil!  

 

Text: Christoph Doktor, Svenja Thömel, Rosa Windelband